Oktober 2018
Die „Dülfer“ ist auch so eine Tour die den ganzen Sommer immer mal wieder Thema war, aber weil sie ja soo kurz ist ( „nur“ 14 SL) wurde sie auf den Herbst verschoben. Ich muss mehr auf mein Bauchgefühl hören, weil ich mir schon im Vorfeld denke dass 14 Kaiserlängen, 2 Stunden Zustieg und der Abstieg von der Fleischbank eigentlich schon ziemlich ambitioniert für Mitte Oktober sind. Laut bergsteigen.com ist der Gesamtzeitbedarf 9,5 Stunden, na gut, bei frühem Start können wir uns vielleicht genug Puffer verschaffen.
Wir schlafen am Parkplatz Griesenauer Alm damit wir wirklich zeitig aufbrechen können. Problem: Wir sind um 5:30 Uhr wach aber es ist noch stockdunkel (komisch…). Um 6:30 starten wir, es dämmert erst langsam aber wir kennen den Weg und bis zur Steinernen Rinne schaffen wir es auch ohne volles Tageslicht. Als wir dort sind ist es hell genug, man kann vom Ausläufer der Steinernen Rinne über einen Steig und anschließend eine felsige Rampe (2) zum Eggersteig gelangen. Der Fels ist feucht, ich hoffe dass er untertags auftrocknet und wir diesen Glibsch nicht nach der Tour wieder absteigen müssen. Nun geht es den Eggersteig hinauf, nicht schwierig aber anstrengend. Nach ziemlich genau 2 Stunden stehen wir unter der Notrufsäule und folgen einem Pfad hinüber bis zum Einstieg. Der Himmel ist jetzt blitzblau, aber die Lage der Tour ist ungünstig, der „Predigtstuhl“ ist im Weg und unser Abschnitt noch im Schatten. Beim Aufstieg war die Temperatur angenehm, jetzt wird uns langsam kalt. Sprinter steigt ein und sucht erstmal eine Zeit nach der Linie die eigentlich logisch ist – die ersten zwei Längen queren die Wand auf einem gut ersichtlichen Band. Weil wir von weiter unten starten ist unsere erste Länge über 60m. Die zweite Länge geht etwas schneller, aber am zweiten Stand sind wir beide durchgefroren. Nun kommt die erste schwerere Länge, weil Sprinter seine Finger nicht mehr spürt legt er jede Menge zusätzliche Sicherungen und braucht wieder ewig. Fröstelnd steige ich nach, und endlich komme ich in die Sonne. Die 4. Länge startet mit einem kleinen Überhang der an den entscheidenden Griffen schon arg abgespeckt ist, der Rest ist dann leicht. Ich schaue auf die Uhr: 11 schon! Wir müssen unser Tempo steigern damit sich das alles ausgeht. Zum Glück kommt ja jetzt eine 4er Länge, da sollten wir etwas Zeit hereinholen können. Nein, können wir nicht…. Sprinter flucht, legt wieder zusätzliche Sicherungen und ist erst nach Ewigkeiten oben. Super 4er Länge… abgespeckt ohne Ende, steil und vermutlich auch in jungfräulichem Zustand eher eine 5.
Die 6. Länge, gut abgesichert, gibt mir nochmal Hoffnung auf schnelleres Weiterkommen, aber irgendwie dauert heute alles ewig. Sprinter ist unschlüssig wohin es gehen soll. Ich bin für: nach unten! Laut bergsteigen.com soll die Kletterzeit 5 Stunden betragen, wir sind nun dreieinhalb unterwegs und haben noch nicht mal die Hälfte geschafft. Auch wenn es erst Mittag ist: hier im Kaiser ist ins Dunkle kommen absolut verboten! Sprinter mault, aber nur kurz, woraus ich schließe dass er auch zumindest leichte Zweifel hat.
Wir seilen also ab, das geht gut weil alle Stände mit Abseilringen ausgestattet sind. Als wir unten sind sehen wir dass unsere Tour bereits wieder in den Schatten kommt, was unsere Frustration etwas mildert.
Fazit: Die „Dülfer“ ist ein Klassiker und dementsprechend an den schweren Stellen abgegriffen. Es gibt eine Basisabsicherung (meist Normalhaken, selten Bolts), die man aber selber noch ergänzen sollte (Friends, Schlingen). Die Schwierigkeitsbewertung ist kaisermäßig knackig. Eine Tour die wir noch komplettieren werden, aber sicher erst nächstes Jahr. Ich denke das Anfang September vermutlich eine gute Zeit ist, dann ist es etwas wärmer und vor allem noch deutlich länger (und früher) hell. 5 Stunden Kletterzeit schaffen hier wohl nur sehr gute Seilschaften. Wir planen beim nächsten Mal die Variante zu gehen um uns die wirklich glatte 4er Länge zu sparen. Die Wand ist im Oktober nur kurz in der Sonne (2 Stunden?).
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Juli 2018
Den Namen "Kirchl - Express" darf man nicht falsch interpretieren - er deutet nämlich nicht darauf hin dass man besonders schnell aufs Totenkirchl kommt, sondern dass man nicht trödeln darf um noch bei Tageslicht auszusteigen. 20 Kaiserlängen sollte man nämlich keinesfalls unterschätzen!
Der Einstieg - gegenüber der "Classica" - ist von der Griesenauer Alm in einer Stunde erreicht. Für die "Classica" hätte man an diesem Tag Nummern ausgeben können, so überfüllt ist sie. Der "Kirchl - Express" nicht, abgesehen von einem Pärchen das gleich nach uns am Einstieg ankommt befindet sich nur noch eine Seilschaft weiter oben in der Tour. Ich frage mich wie früh die wohl eingestiegen sind (wir sind um halb sechs vom Parkplatz gestartet). Bald stellt sich aber heraus dass sie nicht schon in der Tour sind sondern immer noch. Genau genommen haben sie sich beim Abstieg von einer anderen Tour am Vortag verstiegen und durften eine recht kühle Nacht in der Wand verbringen. Jaja, die Kaiser - Abstiege....
Die Tour gliedert sich in drei Abschnitte und startet mit dem Vorbau. Gut zum Aufwärmen, aber die erste 5er - Länge hat es bereits in sich. Wer hier schon Angstpipi verliert sollte vernünftigerweise umkehren oder über das Band nach dem Vorbau aussteigen. Die leichteren Längen steige ich vor, so kommen wir recht zügig voran.
Nach der 7. Länge folgt das breite Band, hier werden wir von einem Hubschrauber regelrecht verfolgt bis wir klarmachen können dass wir nicht gerettet werden wollen. Später lese ich dass an diesem Tag zwei schwere Unfälle in unserer unmittelbaren Umgebung passiert sind.
Der Mittelteil ist definitiv die größte Herausforderung. 7 Längen, davon nur zwei leichter, der Rest ist durchgehend eine Aufgabe. Ich steige nicht vor, trage aber den heute recht schweren Rucksack, was sich gerade in den überhängenden Verschneidungen bemerkbar macht. Nach der 15. Gesamtlänge bin ich ziemlich streichfähig.
Der oberste Teil ist der alpinste. Wir wählen den Ausstieg über den Heroldsweg (die "Ullmann - Variante" haben wir nicht gefunden), für den "Dülfer" - Kamin fehlt mir die Lust (allein schon wegen dem Rucksack) und die Energie. Hier gibt es keine schwierige Kletterei mehr aber auch nur mehr wenige wegweisende Sicherungen. Für die 5 leichten Längen brauchen wir so trotzdem noch einmal 2 Stunden.
Aber auch die längste Tour hat ein Ende und um kurz nach 16 Uhr sitzen wir endlich am Ausstieg. Die 15 Minuten zum Gipfel sparen wir uns, besser kann die Aussicht sowieso nicht werden.
Abstieg: Hier waren alle Ängste umsonst, zumindest was die Wegfindung angeht. Wir steigen nämlich über den "Führerweg" ab der bestens markiert ist. 20 Seillängen nach oben - dementsprechend lang geht es auch wieder nach unten. Abseilen - Abklettern - Absteigen, schier endlos wiederholt sich diese Abfolge bis wir endlich auf dem Sattel über dem Stripsenjochhaus sind. Für die letzte Stunde bis zum Auto reichen meine Energiereserven noch, dann bin ich endgültig leer.
Fazit: man sieht schon an den Eckdaten was es für die Tour braucht, nämlich Zeit, Kondition, Kletterkönnen bis zum oberen 6. Grad (für Kaiserverhältnisse!) und stabiles Wetter. Hat man das alles, ist es eine wirklich schöne und beeindruckende Tour in gewohnt imposanter Umgebung. Durch die Länge ist sie auch wesentlich weniger überlaufen als die kürzeren Kaiserklassiker.
Tipp: auf dem Abstiegsweg Richtung Stripsenjochhaus kann man (nach dem Ausstieg Führerweg) nach wenigen Minuten rechts in eine steile Wiese queren. Man kommt dann unter dem Stripsenjochhaus auf den Wanderweg und spart sich ein ganzes Eck. Der Wiesenabstieg ist aber nur ratsam bei trockenen Verhältnissen!
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August 2017
Der Nordgrat ist unsere Alternative zur „Classcia“ die wieder mal komplett überlaufen ist. Vielleicht ist „Alternative“ das falsche Wort, denn der Nordgrat hat mit Kletterei a la „Classica“ herzlich wenig zu tun. Freundlicherweise startet er gleich mit einer der beiden „Schlüssellängen“ (3+), so braucht man sich in der restlichen Tour keine Gedanken mehr bezüglich der Kletterschwierigkeiten zu machen.
Vielleicht habe ich schon mal erwähnt dass ich kein großer Anhänger von Gratkletterei bin weil ich paradoxerweise die Ausgesetztheit eines Grates weniger vertrage als die Ausgesetztheit hunderte Meter oben in einer Wand. Außerdem ist 1er und 2er Gelände oft nur ein Synonym für steiles Bergaufgehen, nicht gerade die Spezialität der Alpinschnecke. Es gibt natürlich solche und solche Grate. Der Nordgrat vereint für mich leider eher die negativen Aspekte.
Nach der ersten Länge kommt schon mal steiles Bergaufgehen. Dann die nächste 3+ - Länge, und irgendwie ist es ja so dass man sich bei so einem Grat auf nix einstellen kann. Hat man sich ans Bergaufgehen gewöhnt kommt eine Kletterstelle. Ist man im Klettermodus kommt wieder Gehgelände. Dementsprechend fühlen sich die Klettermeter schwerer an als wenn sie in eine Klettertour verpackt wären. Außerdem nervt das ständige Schuhewechseln.
Nach einer weiteren Kletterstelle kommt laaanges Gehgelände. Dann eine Rampe und wieder: gehen.
Wie so oft bemerkt man vom Grat selber nicht viel, eher ist es so dass die roten Markierungen sehr hilfreich sind. Es stört mich wenig, denn wie gesagt, auf Gratluft bin ich nicht sonderlich scharf. Die darf ich aber trotzdem schnuppern, und zwar gegen Ende der Tour: luftige Türmchen, juhu. Mir wird fast schlecht vor lauter Luft, und wenn man ein Türmchen hinabklettern muss hat man auch als Nachsteiger keinen Vorteil mehr. Als wir endlich oben sind kralle ich mich förmlich ans Gipfelkreuz. Ich schaue Sprinter an, nur Sprinter, damit ich ja nicht versehentlich einen Tiefblick erwische. Eine Pause lehne ich dankend ab, ich will hier weg.
Abstieg: der startet mit einem Abseiler (kann man auch Abklettern), dann Gehgelände Richtung Christaturm. Anschließend die Abseilpiste (wie Christaturm) hinab zum Ellmauer Tor. Der Abstieg und die Abseilpiste sind wirklich gut markiert, die Abseilpiste sollte man aber wirklich Länge für Länge abseilen. Vom Ellmauer Tor dann schottrig Richtung Steinerne Rinne und diese hinab (unschwieriger Klettersteig). Von dort dann wieder Richtung Griesenauer Alm.
Fazit: es war unsere 4. Tour in dieser Woche, entsprechend war ich schon etwas ausgelaugt. Für mich eher eine anstrengende Bergtour mit Klettereinlagen als klassische Gratkletterei. Was im unteren Teil zu wenig vom Grat zu sehen ist bekommt man dann oben doppelt und dreifach geliefert. Auch der Abstieg ist, trotz Abseilern, insgesamt nicht zu unterschätzen, sowohl was Zeit als auch Kondition angeht.
Tipp: der Nordgrat ist auch eine Abstiegsmöglichkeit der „Classica“. Wer ihn noch nicht kennt sollte sich nach der „Classcia“ gut überlegen ob diese Variante noch im zeitlichen und konditionellen Rahmen liegt. Sonst kann man nach dem Ausstieg aus der "Classica" auch über den Nordgrat abseilen, was wesentlich schneller und bequemer ist und den Umweg über die Steinerne Rinne erspart.
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